Der Werwolf ist er: Fantasy und Krimi am Niederrhein
Kriminalroman mit blutigen Morden bei Vollmond
Tobias Wulff hat in der letzten Nacht nicht gesoffen, fühlt sich aber wie nach zehn Runden auf dem Schützenfest. Um so mieser wird seine Laune, als Kommissar Weber ihm eröffnet, dass sein Geselle in der letzten Nacht aus dem Leben geschieden ist. Und das auf sehr blutige Art und Weise.
Genau einen Monat später findet Weber einen weiteren Angestellten von Wulff an der Niers. Die Leiche ist grässlich zugerichtet. Weber sucht die VHS Viersen auf. Dort liest er die Geschichte der Bestie von Gévaudan. Wulff hat nur noch wenige Mitarbeiter.
Als der nächste Vollmond über dem Niederrhein aufgeht, liegen Polizisten an mehreren Stellen auf der Lauer. Dort, wo der erste Mord geschah, flüchtet sich der Polizist vor einem knurrenden riesigen Wesen in seinen Wagen. Er sieht, wie sich der Werwolf auf den Weg zu den Krickenbecker Seen macht…
Der Werwolf ist er: Eine Kriminalgeschichte am Niederrhein, die Sie besser nicht bei Vollmond lesen sollten.
Leseprobe: Das erste Opfer des Werwolfs
Wolfgang wedelte mit seiner Maschine durch den Kreisverkehr am Ortsausgang von Vinkrath. Hier endete die Zone, in der er sich an die „50“ halten sollte. Hier war genau die Kurve, in der er immer den Gasgriff seiner Guzzi voll aufgerissen hatte. Nur heute wollte er dies nicht tun. Und das lag nicht am Wetter, denn auch wenn die Sonne gerade unter den Horizont sinken wollte, der Winter mit seinem Frost war vorbei. Er schaltete in den dritten Gang und ließ den Motor langsam hochdrehen.
Kaum eine Minute später nahm Wolfgang das Gas weg. Der Blinker seiner Guzzi piepte laut und deutlich. Er kuppelte in den zweiten Gang und bog in den Feldweg zur Nette hin ein. Jetzt riss er den Gasgriff auf. Der V2 hämmerte mit seinem metallischen Krachen. Wolfgang nahm das Gas zurück. Wedelte die Maschine jetzt noch? Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang hatte er damit verbracht, die Kette nachzuspannen und das Federbein zu justieren. Er hatte wohl die richtige Einstellung gefunden. Kein Lastwechsel mehr.
Er hielt an der Bank vor dem Campingplatz. Ein letzter Blick auf das Federbein. Die Justierung stimmte. Wolfgang war zufrieden. Er klappte das Visier hoch, zog seinen Helm nach hinten ab. Eine letzte Zigarette im Schein der Laterne, bevor es nach Hause ging.
Wolfgang zündete seine West an und ließ den Blick über die Wiesen streifen. Die ersten Boten des Frühlings zeigten sich am Niederrhein. Im Waldstück zum Campingplatz hin standen die Krokusse schon am Ende ihrer Blütezeit. Nach Vinkrath hin standen die Kühe jetzt wieder auf der Weide und fraßen frisches Gras, nicht mehr das Stroh aus dem letzten Jahr aus den Mieten, die nun fast leer auf den Feldern standen und ihren Geruch über der platten Landschaft verbreiteten. Er sah sich um. Vor einer Woche hatten sie die Duschen für die Männer auf dem Campingplatz neu gemacht. Langsam kamen die Dauercamper aus dem Ruhrgebiet wieder nach Grefrath, um hier die gute Luft zwischen Niers und Nette zu genießen. Noch war es ruhig auf dem Platz, keine Schlager, keine Besoffenen.
So ganz dunkel war es nicht, fiel Wolfgang auf. Er legte den Kopf in den Nacken. Über ihm erhob sich die bleiche Scheibe eines vollen Mondes. Der Feldweg und die Weiden vor ihm waren in ein fahles, weißlich-gelbes Licht getaucht. Die Kühe waren nun nicht mehr schwarzweiß, sondern sahen aus die Gespenster, die sich auf dem Gras niedergelassen hatten. Er nahm einen letzten Zug, erhellte sein Gesicht durch das rote Glimmen der Zigarette, warf sie auf den Asphalt und drückte sie aus.
Wolfgang wollte seinen Helm aufziehen.
Ein dumpfes Grummeln ließ ihn zusammenzucken.
Er hielt den Atem an.
Wieder einer dieser Jugendlichen mit Techno im Auto?
Nein, das war es nicht. Dieses tiefe Brummen näherte sich langsam. Ängstlich sah Wolfgang sich um. Er konnte nicht feststellen, aus welcher Richtung dieser tiefe Ton kam.
„Hallo?“ rief er und versuchte seiner Stimme soviel Mut mitzugeben wie nur möglich. Es misslang. Sein Timbre zitterte.
„Was wollen Sie?“ rief er in die Dunkelheit.
Für einen Wimpernschlag verstummte das Brummen. Dann kam es wieder, aggressiver und bedrohlicher als je zuvor. Da sah Wolfgang plötzlich zwei grüne Augen, die vor Mordlust von innen zu leuchten schienen.
Wolfgang packte jetzt die reine Panik. Er warf den Helm von sich, drückte so stark auf den elektrischen Anlasser seiner Guzzi, dass ihm fast der Plastikknopf abbrach. Der V2 röhrte. Wolfgang riss das Gas auf. Er malte einen schwarzen Streifen auf den Asphalt. Das Vorderrad schnellte in die Höhe. Er konnte sich...
Die Krallen der Pranke drangen durch die Lederkombi und tief in das Fleisch in seine Schulter ein, als das mächtige Tier ihn von seiner Guzzi riss.
Leseprobe: Johann bekommt es mit der Angst zu tun
Johann war unruhig. Siebert, sein Herrchen, wusste, was das zu bedeuten hatte.
„Ich bin noch mal mit dem Hund raus!“ rief er seiner Frau durch die Tür des Wohnwagens zu.
„Mach aber nicht so lang!“ echote sie aus dem Küchenbereich des Fendt.
Siebert nahm die Hundeleine vom Haken neben dem Ausgang des Vorzelts. Er ging vor Johann in die Knie.
„Na, was machen wir denn jetzt?“ fragte das Herrchen seinen Hund im Tonfall eines Sechsjährigen. „Weißt du, was wir jetzt machen? Ja, weißt du denn was wir jetzt machen?“
Der Hund steppte von einem Bein auf das andere und war vor Freude kaum zu bändigen. Siebert konnte dem Mischling mit kurzem Fell nur mit Mühe die Schnur umlegen.
„Jetzt komm, kleiner!“ sagte Siebert zu seinem Mischling und zog ihn aus dem Vorzelt. Johann ließ sich nicht lange bitten. Er übernahm die Führung, zog sein Herrchen den Weg zwischen den Wohnwagen entlang, um die Ecke Richtung Eingang. Viel los war hier noch nicht, so nahe am Winter.
Vor dem Eingang, der von einem Bogen überspannt war, verharrte Johann plötzlich.
„Ja, was hast du denn?“ fragte Siebert.
Aber Johann hörte nicht auf ihn. Er hatte Witterung aufgenommen. Etwas lag in der Luft, dass er nicht kannte. Nicht aus den Feldern rund um Grefrath. Dann zog er mit all seiner Kraft an der Leine.
„Ruhig, mein Kleiner!“ befahl das Herrchen, aber der Hund folgte seinem Instinkt. Lief an der Bank vorbei. Und blieb plötzlich stehen.
Das erste, was Siebert sah, schimmerte metallisch im Mondlicht. Er ging näher heran. Ein Motorrad mit Viersener Kennzeichen, italienische Maschine.
„Ist da einer verunglückt?“ fragte Siebert sich. Er warf einen genaueren Blick auf die Maschine. Alles in Ordnung. Schien nur umgefallen zu sein.
Und dann zog Johann an der Leine. Kläffte so laut, dass er den gesamten Campingplatz aufweckte.
Siebert folgte dem Zug. Er sah den Körper am Waldrand liegen.
„Doch wieder so ein Raser!“ war sein erster Gedanke. Er folgte Johann in schnellem Schritt, ging am Helm vorbei, vielleicht war bei dem Fahrer doch noch etwas zu retten.
Mit einem Ruck blieb Siebert stehen. Bei diesem Fahrer war nichts mehr zu retten. Siebert starrte auf die Überreste des Mannes, die er vor sich sah. Atmete stoßweise durch. Drehte den Kopf zur Seite und kotzte die Pommes Frites vom Abendessen auf den Weg.
Johann fasste all seinen Mut zusammen. Er ging zu dem Mann hin, der den Geruch des Todes verströmte. Die Leine wurde nur noch schlaff gehalten. Er roch an dem herzförmigen Stück Fleisch, dass dort im Gras lag. Roch an den Haaren, die daneben lagen.
In voller Panik riss er sich los. Siebert hatte keine Chance. Johann rannte so schnell wie noch nie in seinem Leben, weg von hier, weg von dieser Bestie, die er gerade gerochen hatte, weg vom Tod, in den Schutz des Vorzeltes.
Leseprobe: Weber findet die Bestie von Gévaudan
Kommissar Weber warf einen Blick auf den Wegweiser. Er ging in den Keller des Kreishauses, dort, wo die Mitarbeiter der VHS für eine Auffrischung des Intellektes im Kreis Viersen sorgten. Er nahm sich einen Katalog, der hier am Schwarzen Brett hin. Suchte nach der Rubrik „Übersinnliches.“ Zwischen Hexen, UFOs und Meditation wurde er fündig. Huber. Er notierte sich die Büronummer auf seinen Block.
Ein paar Schritte weiter hatte er das Büro des Dozenten gefunden. Er klopfte an. Eine dünne Männerstimme rief ihn hinein.
„Was kann ich für Sie tun?“ fragte der hagere Dozent.
„Mein Name ist Weber“, stellte sich der Kommissar vor. „Ich leite die Mordkommission Campingplatz“.
„Ah, die Leichen in Grefrath“, sagte Huber und wies auf einen Stuhl neben seinem Schreibtisch, auf dem Bücher in Schichten übereinander lagen. „Ich wohne nicht weit weg in der Nähe des Eisstadions. Das ganze Dorf redet nur noch davon. Was kann ich für Sie tun, Herr Weber?“
Der Kommissar setzte sich vorsichtig. Ihm war überhaupt nicht wohl bei dem, was ihm gerade durch den Kopf ging. Am liebsten hätte er diesen Gedanken sofort wieder aus seinem Kopf vertrieben. Aber nach 999 falschen Spuren war er bereit, alles über Bord zu werfen, was die polizeiliche Ermittlungsarbeit an Standards hatte.
„Wir suchen seit mehr als einem Monat vergeblich nach den Personen, die zwei Handwerker umgebracht haben“, begann Weber. „Bislang gehen wir davon aus, dass es sich um eine Tat handelt, die von mehreren Personen begangen worden ist. Menschen. Ich stelle mir nun die Frage, ob es sich um ein Tier handeln könnte.“
„Was für ein Tier?“
„Vielleicht ein großer Hund“, sagte Weber und wedelte mit den Armen. „Ein Schäferhund. Ein entlaufener Kampfhund. Vielleicht sind Tiere ja genauso mondsüchtig wie es manche Menschen auch sind.“
Hubers Augen verengten sich. Sein freundlicher Gesichtsausdruck bekam einen Schatten.
„Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“ sagte er dann. „Auch wenn das Informationen sind, die nicht an die Öffentlichkeit dringen sollten?“
„Wer sagt mir, dass Sie das nicht beim nächsten Nachbarn ausplaudern?“
„Die Firma Terhorst hat bei mir die Küche und das Bad gemacht. Sehr nette Handwerker. Ich habe jeglichen Respekt vor ihnen und ihrer Familie.“
Weber nickte ihm zu.
„In der Zeitung hieß es, dass die Opfer übel zugerichtet worden seien“, fragte Huber. „Mehr Details hat Ihr Pressesprecher nicht nennen wollen. Welcher Art waren die Verletzungen?“
„Die Täter haben...“
„Bitte“, unterbrach Huber den Kommissar, „lassen wir den oder die Täter beiseite. Lassen Sie uns über die Opfer reden.“
„Beide Männer sind praktisch geschlachtet worden“, sagte Weber, und es war, als fiele eine Last von ihm, weil er nun nicht mehr etwas verheimlichen musste, sondern die gesamte Wahrheit erzählen konnte. „Beim ersten war der Schädel von der Seite eingeschlagen. Seine Bauchdecke war aufgerissen. Mehrere innere Organe waren entnommen worden und lagen neben der Leiche. Beim zweiten Fall war der Kopf vom Körper abgetrennt. Und das Schlimmste: Wir haben nicht alle Körperteile gefunden. Wir haben den Lichtwagen geholt und jedes Sandkorn umgedreht. Ein paar Muskeln und Organe fehlten.“
„Sie sagen: Der Körper ist aufgerissen worden. Welcher Art waren die Verletzungen?“
„Kein sauberer Schnitt eines Skalpells oder eines Messers. Die Verletzung deutet eher auf ein breites, scharfes Tatwerkzeug hin, das mit großer Kraft bewegt wurde. Das gleiche gilt für den abgetrennten Kopf.“
Huber schloss die Augen und atmete tief durch.
„Die Verbrechen ereigneten sich ausschließlich bei Vollmond?“ fragte er weiter.
„Genau beim Höchststand des Mondes“, nickte Weber ihm zu.
Huber stand auf, ohne ein Wort zu sagen. Weber sah ihm nach. Viele Menschen, denen er Details zu den Leichen gesagte hatte, mussten sich anschließend übergeben. Aber Huber ging ohne zu schwanken oder die Hand vor den Mund zu halten. Er stellte sich vor ein Regal mit Büchern. Nahm eines davon heraus. Blätterte darin herum.
„Ah, hier haben wir es schon“, sagte er und hielt Weber den aufgeschlagenen Band hin. Der sah den Dozenten fragend an.
„Lesen Sie“, nickte Huber dem Kommissar freundlich zu. „Und dann sagen Sie mir, ob Sie etwas Ähnliches beobachtet haben.“
Weber warf einen Blick in das Buch. In Frankreich des 18. Jahrhundert hatten seinerzeit 120 Menschen in einem Wald ihr Leben verloren. Weber las zuerst mit einer Spur von Misstrauen, von Verachtung. Das Werk irgend eines Schreibers, der mit der Polizeiarbeit des 21. Jahrhunderts so vertraut war wie der Neandertaler mit dem Internet.
Doch dann stand Weber auf, ging mit dem Buch durch die Hand durch das Büro und las vor, leise erst, dann immer lauter, was die Bestie von Gévaudan angerichtet hatte. Schließlich drehte er sich zu Huber um, mit Perlen von Schweiß auf der Stirn.
„Das ist genau das, was hier passiert ist!“ stammelte er. „Die Art, wie diese Menschen gestorben sind. Die Verletzungen. Die Tatzeit. Das ist...“
„Das Werk eines Werwolfs“, vollendete Huber den Satz.
Der Werwolf als Video: Leseprobe von Thomas Berscheid
Bibliographische Angaben
Autor: Thomas Berscheid
Preis: 0,99 € inkl. Mehrwertsteuer
Anzahl Seiten: 50
Genre: Krimi / Fantasy
Erscheinungsdatum: 20. April 2024
Typ: E-Book
ISBN 10: 3757974832
ISBN 13: 9783757974831
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